Gestern sind wir erst um 21.00 Uhr zum Schlafen gekommen, deswegen haben wir ausnahmsweise keinen Wecker gestellt und sind erst um 7.00 Uhr wach geworden. Ein weiterer Tag mit vielen Höhenmetern steht uns bevor : 1000 hinunter, 1000 hinauf, 700 hinunter und nochmal 500 aufwärts. Danach soll es dann ein paar Tage leichter werden. Es ist Samstag, und dieses Wochenende findet wieder ein Rennen statt. Diesmal kommen die Teilnehmer des Wettkampfes von hinten und überholen uns alle. Ein bisschen lästig, weil der Pfad ziemlich schmal ist und wir dauernd zur Seite springen müssen. Einer der Läufer ist gerade 20 Meter voraus und ruft mir zu, dass dort eine Klapperschlange auf dem Weg liegt. Ich bedanke mich und gehe vorsichtig weiter, mit beiden Stöckern links und rechts den Rand abtastend. Ich sehe keine Klapperschlange und höre auch kein Rasseln. Wahrscheinlich hat sie sich schon davon gemacht. Bei Dan's Saddle gibt es eine Versorgungsstation mit Wasser und Snacks. Wir brauchen nichts, haben noch 2,5 Liter dabei. Wir erfahren, dass 78 Teilnehmer gestartet sind, und morgen geht es weiter.
Die Oracle Ridge ist wie eine Achterbahnfahrt, immer Hügel hinauf und wieder hinunter. Bis 15.00 Uhr haben wir die meisten Höhenmeter geschafft. Schlimm ist die Anstrengung während der ganz heißen Stunden, da tropft der Schweiß. Inzwischen hat sich der Himmel leicht bedeckt, starker Wind ist aufgekommen. Ein paar Tropfen Regen fallen, nicht genug, um nass zu werden. Thomas sieht eine orange-rote Schlange im Gebüsch, ca. 30 Zentimeter lang und dünn. Die kennen wir noch nicht.
Kommen an einem Wassertank vorbei, aber der ist völlig ausgetrocknet. Zur Zeit sind die Strecken zwischen den Wasserquellen ziemlich lang. Wir tragen immer mindestens 2 Liter, auch wenn's wehtut mit neuem Proviant für 5 Tage im Rucksack. Unser Ziel für den Abend ist eine Ranch, wo wir Wasser bekommen und evtl. auch zelten können. Wir machen uns keine großen Hoffnungen auf irgendwelche Extras, nur Wasser brauchen wir unbedingt. Wir werden total überrascht. Die High Jinks Ranch ist ein historisches Gebäude, bei dem vor ein paar Jahren der Besitzer gewechselt hat. Es sollte renoviert werden, aber zur Zeit herrscht wohl gerade Stillstand. Mehrere Gebäude, Terrasse, Werkstatt, Außengelände, alles ist offen und frei zugänglich. Der Besitzer ist nicht anwesend. Wir werden von 3 AZT-Hikern empfangen, die sich im Haupthaus einquartiert haben. Mehrere Pritschen gibt es, daneben ein Wohnzimmer und eine voll eingerichtete Küche. Lebensmittel und Kaffee stehen zur freien Verfügung. Thomas ist in seinem Element und kocht Spaghetti mit Tomatensauce. Zum Nachtisch öffnen wir eine Dose Fruchtcocktail.
Unverhofft kommt oft ! Nachdem der gestrige Aufenthalt in Summerhaven so daneben gegangen ist, können wir unser Glück heute kaum fassen. Vernünftiges Essen am Tisch, Mülleimer, Toilette, warme Dusche und vor allen Dingen Steckdosen zum Laden unserer Elektrogeräte. Alle Probleme gelöst. Wir tragen uns natürlich mit vielen Dankesworten in das ausliegende Gästebuch ein. Unser Zelt bauen wir gar nicht auf, sondern richten unser Lager in einem Nebengebäude auf dem Fußboden her. Frisch geduscht in den Schlafsack ist schon ein ganz besonderes Erlebnis.
Aufstehen um 4.00 Uhr und den Luxus eines richtigen Badezimmers genießen .... Wir füllen 4 Liter in unsere Flaschen, denn es liegen 28 Kilometer ohne Wasser vor uns, wenn es ganz dumm läuft. Um 6.30 Uhr kommen wir an eine Versorgungsstation der Läufer. Ein junger Mann räumt gerade auf, weil die Sachen abgeholt werden sollen. Wir erfahren, dass gestern der Wettkampf über die 100-Meilen-Distanz gewesen ist, heute nur noch die 50-Meilen-Distanz gelaufen wird. Wir können unsere Wasserflaschen auffüllen und dürfen uns mit Allem bedienen, was übrig ist. Bananen, Orangen, Kekse nehmen wir gerne. Der Tag fängt gut an. Sehr nett !
Himmel bedeckt, schöner Weg, kein hoher Berg im Weg. Ein Rudel Rehe springt vor uns durch die Landschaft. Etwas später hoppelt ein Kaninchen im Zickzack über den Trail. Und noch einmal 4 Rehe in einiger Entfernung, fast wie in den Dünen auf Norderney. Eine Bank steht mitten im Nirgendwo. Thomas muss natürlich zur Probe ein paar Minuten sitzen.
Kurz drauf passieren wir die 200-Meilen-Marke. Das ist schon ein Viertel vom ganzen Arizona Trail. Oder ein Drittel vom Kuchen, wenn wir wegen der Sperrung des Grand Canyon in Flagstaff aufhören und erst später im Sommer den Rest laufen. An der Kannaly Wash Windmühle gibt es kein Wasser. Das Windrad dreht sich, aber der Tank hat Löcher. Ein Picknicktisch steht im Schatten, eine Mülltonne daneben. Um 8.00 Uhr früh schon 10 Kilometer geschafft. Genial.
Auf dem weiteren Weg werde ich von einem entgegenkommenden Paar angesprochen. Ob ich okay bin ? Ob ich etwas brauche ? Nein, danke, alles gut. Am Highway 77 finden wir einen Metallschrank mit Wasser. Schon wieder. Die Leute kümmern sich gut um die Hiker. Es sind nur noch zwei große Kanister da. Wir füllen eine Flasche auf, trinken einen Liter sofort und lassen den Rest für die nachfolgenden Wanderer. Dann unter der Unterführung hindurch .... Hier sollen letztens zwei Klapperschlangen gelegen haben, wir sehen sie aber nicht. Wir laufen durch Wälder von Kakteen, viele von ihnen fangen gerade an zu blühen. Überall stachelige Gewächse in allen Größen und Formen. Auch die Saguaros sind wieder da und stehen wie Wachmänner auf den Hügeln.
Gegen 16.00 Uhr erreichen wir den Corner Tank, wo wir eigentlich Wasser erwartet hatten und kochen wollten. Ein Teich, an dem sich das Vieh bedient, ist ja schon schlimm genug, aber dieser ist völlig trocken. Nur fester Schlamm und Kuhkacke. Jeder hat noch einen Liter zum Trinken dank der Wasserspenden vom Vormittag. Für eine kurze Pause reicht es.
Eigentlich haben wir genug getan, aber es nützt nichts. Wir müssen nochmal 8 Kilometer weiter. Wenn wir Gas geben, dann schaffen wir es vor Einbruch der Dunkelheit. Nur ein paar Minuten entfernt vom nicht vorhandenen Wasser sehen wir eine tote Kuh. Verdurstet ? Der Kadaver scheint schon länger dort zu liegen, er ist bereits weitgehend skelettiert.
Wir marschieren stramm und ohne Unterhaltung, bis Thomas plötzlich zur Seite springt. Direkt am Rande des Weges liegt eine ausgewachsene Klapperschlange. Die hat sich eine Mulde gemacht, in der sie zusammengerollt und bewegungslos liegt. Anscheinend macht sie gerade ein Verdauungsschläfchen. Thomas hat einen seiner Stöcker nur 3-4 Zentimeter vor der Schlange in den Sand gesetzt. Ein kleines Stückchen weiter nur, oder wenn er draufgetreten wäre ..... So machen wir einen Meter Bogen um die ruhende Klapperschlange, und nichts ist passiert außer Schrecken.
In der Ferne durchzieht ein grünes Band die Landschaft. Das muss die Vegetation vom Gila River sein, den wir vermutlich übermorgen erreichen werden. Nach zwei Stunden haben wir es fast geschafft, der hohe Wassertank ist vom Hügel aus zu sehen. Jetzt nur noch einer Schotterstraße einen halben Kilometer nach Westen folgen, dann können wir endlich Feierabend machen. Das Wasser aus dem Tank ist schwierig zu entnehmen. Eine Leiter ist angelehnt, dazu gibt es einen Kanister an einem langen Seil zum Herablassen. Kanister voll, Leiter runter, Umfüllen in eine unserer Flaschen und dasselbe Spiel von vorne, bis wir 4 Liter geschöpft haben.
Inzwischen weht ein kräftiger Wind, es könnte leicht noch mehr werden. Für einen etwas geschützteren Zeltplatz steigen wir durch dorniges Gestrüpp ab. Endlich haben wir eine flache Stelle gefunden. Ich habe Stacheln in der Hand und sogar an den Beinen sind Pieker durch die Hose gedrungen. Operation mit Stirnlampe und Pinzette, während Thomas das Zelt aufbaut. Er braucht dicke Steine zum Beschweren, in der Nähe liegt aber nichts herum. Bei seiner Suche nach Steinen muss er wieder durch Kakteen und Stachelsträucher. Dabei zerreißt es ihm das Hemd. Ja, das schöne orange-farbene mit den Blumen. Beide Ärmel sind kaputt, ein großer Winkelhaken und drei kleine Risse drin. Ärgerlich. Aber das ist noch nicht alles. Der Wasserfilter ist verstopft. Wir bekommen unsere 4 Liter gelb-grünes Wasser nicht sauber. Mit Mühe und Not füllen wir den Kochtopf, mit noch mehr Zureden einen Liter Wasser in die Flasche für Kaffee am Morgen. Der Filter muss dringend gereinigt werden ( schon wieder ), aber dafür braucht man sauberes Wasser. Es tropft nur ganz langsam, vielleicht bekommen wir über Nacht eine weitere Flasche voll. Thomas räumt das Zelt ein, während wir uns über den verstopften Filter ärgern, und auch das verläuft nicht glatt. Der Reißverschluss auf seiner Seite ist nun ebenfalls kaputt. Meinen Eingang kann ich ja schon länger nicht mehr benutzen, weil der mit 4 Lagen Duck Tape zugeklebt ist. Nun funktioniert auch der andere Reißverschluss nicht mehr. Das Zelt lässt sich nicht mehr schließen und bietet freien Einlass für Insekten und anderes Getier. Der Tag fing so gut an, aber die letzten zwei Stunden am Abend waren nur Generve. Es wird wieder später als uns lieb ist. Immerhin sind wir 38 Kilometer weiter.
Hühnerartige Vögel und einige Kaninchen laufen zwischen den dornigen Sträuchern. Ein Hirsch springt vor uns durch die Landschaft. Eidechsen huschen davon, diese komischen hässlichen und die "normalen". Es summt und brummt überall um uns herum. In jeder Kaktusblüte und in jedem blühenden Busch wimmelt es von Insekten. Ein Hörnchen mit buschigem Schwanz und hübschen Streifen im Fell turnt zwischen den Bäumen herum. Das sind die ersten Eindrücke morgens beim Losgehen. Es gibt so viel mehr Tiere zu sehen als auf dem PCT. Die Sonora-Wüste ist die artenreichste Wüste Nordamerikas.
Der Himmel ist bedeckt, es könnte eventuell regnen. Nach zwei Stunden kommen wir an einen rostigen Wassertank. Eine Leiter ist angelehnt, die reicht jedoch gar nicht bis nach oben. Wasser unerreichbar, aber in der Nähe ist ein Pferch mit offenem Tor. Dort bedienen wir uns am Vieh-Trog und sind damit ganz gut versorgt für die Pause. Eine große Klapperschlange soll am Trog wohnen, die ist anscheinend gerade nicht zu Hause. Dafür sehen wir unser erstes "Gila Monster". Es ist so nett, sich lange auf offenem Feld zu bewegen, damit wir es beobachten können. Die Gila-Krustenechse wird etwa 50 Zentimeter lang und ist auffällig schwarz-rosa bis gelb-orange gezeichnet. Sie ist als hochgiftig einzustufen, der Biss kann für Menschen sogar tödlich sein. Allerdings beißt das Gila Monster nur bei andauernder Provokation, das Gift wird eher zur Verteidigung eingesetzt.
Auf dem weiteren Weg stolpern wir beinahe über eine gestreifte Peitschennatter. Dünn mit Längsstreifen, über einen Meter lang. Die ist ungiftig, wie uns Körperbau und Kopfform verraten. Die Schlange verschwindet seitlich im Gebüsch. Etwa eine halbe Stunde später liegt eine dicke Schlange mit auffälligem Muster direkt neben dem Trail. Sie ist mindestens 1,50 Meter lang, dick und kräftig. Ihre Zeichnung und das Verhalten ähnelt einer Klapperschlange, aber es ist keine Rassel am Schwanz zu erkennen. Es ist eine Gophernatter, deren Klapperschlangen-Mimikry sehr überzeugend ist. Diese Art ist für den Menschen ungiftig.
Wir treffen einen Fahrradfahrer aus Österreich, der den Arizona Trail vor 6 Tagen gestartet ist. Unvorstellbar, wie er es mit dem Rad den Mount Lemmon hinauf geschafft hat. Wir möchten nicht tauschen. Dasselbe denkt er wohl auch von uns, denn wir sind zu Fuß unterwegs und tragen unser ganzes Zeug auf dem Rücken. Der Österreicher ist sehr leicht unterwegs, der hat weniger Gepäck als wir. Richtig lebhaft ist es heute. Wir haben eine weitere interessante Begegnung mit einem älteren Ehepaar, welches sich "Baby Boomer Bad Ass" nennt. Sie kommen uns entgegen, weil sie während der Hitzewelle nach Flagstaff im Norden gefahren sind und jetzt "umgekehrt" laufen. Teile des PCT haben sie in den vergangenen Jahren auch schon gemacht, ebenso den Colorado Trail. Sehr beeindruckend. Die Beiden sind 65 und 66 Jahre.
Am Nachmittag durchqueren wir die Tortilla Mountains. Wieder kommt starker Wind auf, genau wie gestern. Dunkle Wolken ziehen am Himmel, ein paar Regentropfen fallen. Unser nächstes Etappenziel ist ein Regenwasser-Sammeltank, den die AZT Organisation für die Hiker aufgestellt hat. Wir beeilen uns. Das Gelände ist einfach, nur ein bisschen hügelig. Um 16.00 Uhr sind wir da. Schönes Wasser, zuverlässig und aus dem Kran entnehmbar. Sehr praktisch, hier wird gekocht und gegessen.
Anschließend laufen wir noch ca. 5 Kilometer weiter. Thomas sieht, wie ein Tier sich auf dem Trail über irgendeine Beute hermacht. Beim Näherkommen können wir ein niedliches Felltier mit langem Schwanz und kräftigen Beinen betrauern. Eine Kängururatte oder auch Taschenspringer genannt. Leider ist der Kopf bereits sehr angefressen. Entspannter Feierabend. Der Ärger von gestern Abend ist vergessen. Das Hemd ist natürlich immer noch kaputt. Der Reißverschluss vom Zelt auch, der bleibt die nächste Zeit offen. Den Wasserfilter hat Thomas mit einer Spritze wieder durchlässig gemacht. Es war ein rundum toller Tag ! Gute 30 Kilometer weiter.
Nächte in der Wüste können kalt sein. Beim Aufstehen ist es noch sehr frisch. Mit dem ersten Licht der Morgendämmerung sind wir schon unterwegs. Um diese frühe Stunde sind nur Vögel und Kaninchen aktiv. Die Dünen-Landschaft rings um uns herum ist durchzogen mit Löchern, die sich Tiere unterschiedlicher Größe gebuddelt haben. Der Himmel sieht fantastisch aus. Das Licht ist morgens immer besonders schön. Am Horizont sieht man die nächste Gebirgskette aus dem Dunst auftauchen. Ein junger Stier steht am Wegesrand und schaut uns erstaunt an. Etwas später entdecken wir die langen Ohren von einem Hasen, der sich hinter einem Gebüsch versteckt.
Die ersten 3,5 Stunden des Tages laufen wir durch bis zu einer Regenwasser-Sammelanlage. Eigentlich ist die für Wildtiere gedacht. Der Trog außen sieht entsprechend unappetitlich aus. Thomas findet einen Zugang für Menschen, indem er die Schrauben einer Klappe öffnet. Darunter verborgen im Tank ist sauberes Regenwasser. Um 9.00 Uhr früh haben wir bereits 13,5 Kilometer geschafft und gönnen uns eine lange Pause mit warmer Mahlzeit zum Frühstück.
Vor uns hat es sich ein Kaninchen gemütlich gemacht. Lang ausgestreckt liegt es mit geschlossenen Augen quer über den Trail, bis wir nur einen Schritt davor sind. Eine dünne Schlange kreuzt unseren Weg und verschwindet so schnell wie sie gekommen ist. Ein kleines Stück weiter erschrecke ich mich, weil plötzlich eine große Schlange vor mir wild um sich schlägt. Diese ist total aufgeregt, weil sie gerade ein Beutetier im Maul hat. Sie lässt es fallen und versteckt sich im Gebüsch. Da liegt wieder so eine Kängururatte mit langen Hinterläufen im Sand, blutig und angenagt. Fressen oder gefressen werden - das Gesetz der Wüste. Thomas läuft voraus und sieht noch eine orange-rote Schlange, wie er vor einigen Tagen schon einmal hatte. Das waren jetzt 3 Stück innerhalb von einer Stunde. Insgesamt haben wir bisher 6 oder 7 verschiedene Arten von Schlangen in Arizona gesehen. Spannend ist das hier, für uns allerdings nicht zum Draußen-Schlafen ohne Zelt geeignet. Die jungen Leute machen das gerne und nennen es "Cowboy Camping". Mittags erreichen wir ein blaues Fass, das schon von weitem leuchtet. Das Wasser darin wird von einer natürlichen Quelle gespeist. Schmeckt frisch und lecker, ganz ohne Filtern oder Zusätze.
Danach steigen wir noch einmal kräftig auf. Beschwerlich, weil voll in der Sonne. Aber wir werden belohnt durch einen wunderschönen Spaziergang oben auf dem Grat. Saguaro-Kakteen säumen die Hügel. Gelbe Stachelsträucher, ähnlich wie unser Ginster, stehen in voller Blüte. Es gibt eine wunderbare Aussicht zu beiden Seiten.
Kurze Pause oben, dann folgt ein langer Abstieg in Serpentinen hinunter zum Gila River. Eine Schleife nach der anderen bringt uns immer tiefer bis zu einer sandigen Schlucht. Dort sehen wir unser zweites Gila Monster und sind völlig fasziniert von diesem komischen Tier. Beobachten und fotografieren es, bis es unter einem Stein verschwindet. Dann folgen wir dem Verlauf der Schlucht bis zu einer Barriere aus dicken Steinen. Da runter soll es gehen ?
Wir klettern mit Händen und Füßen, bis wir eine Stufe tiefer sind. Ein Stück weiter kommt die nächste Felskante, über diese müssen wir rückwärts nach unten hangeln. Wir fangen langsam an, uns zu wundern. Das kann doch nicht der Arizona Trail sein !?! Keine weiteren Fußspuren in Sand. Wir drehen um und klettern aufwärts bis zu dem Punkt, wo das Gila Monster war. Ein Steinmännchen in der Kurve, das soll wohl ein Zeichen sein. Wir folgen diesem Pfad ein paar Serpentinen nach oben. Moment mal - die Sonne steht falsch. Wir sind verkehrt herum gelaufen. Also umdrehen und noch einmal zurück bis zum Steinmännchen. Endlich finden wir die Fortführung des Weges. Auf der anderen Seite der sandigen Schlucht geht es wieder hinauf. Das Gila Monster hat uns abgelenkt, deswegen haben wir die richtige Spur verloren. Verlaufen ist immer blöd, besonders kurz vor Feierabend. Eigentlich dachten wir, dass wir in einer halben Stunde am Ziel sind, aber so wird es deutlich später. Trotzdem war es spannend, die Kletterpartie war witzig, und für das Gila Monster hat es sich gelohnt.
An der Florence-Kelvin Road beenden wir unseren Tag. Dort gibt es einen Schrank mit Wasserkanistern, aus dem wir 2 Liter für Abendessen und Kaffee entnehmen. Zeltplatz gleich daneben. Passt. 13 Stunden unterwegs, 37 Kilometer geschafft.
Wir möchten nach Kearny für einen Hotel-Aufenthalt und neuen Einkauf. Unser Abholpunkt wird der Gila River Trailhead sein. Bis dahin sind es nur noch etwas mehr als 3 Kilometer. Endlich sind wir am Gila River, dem tiefsten Punkt auf dem Arizona Trail. Den kennen wir schon aus New Mexico vom CDT. Trail Angel Jeff, den wir letztens beim Camp der AZT Organisation kennengelernt haben, holt uns um 9.00 Uhr ab. Ein bisschen früh zum Einchecken im Hotel, wir gehen zunächst für ein kleines Frühstück in den Deli des General Store. Das Personal ist super nett. Wir können bequem am Tisch sitzen und in Ruhe unsere Planung machen. Einen großen Becher Kaffee und einen Donut gibt es gratis für AZT-Hiker. Rucksäcke, Wanderschuhe und Stöcker lassen wir anschließend im Laden stehen und nutzen die Zeit zum Einkaufen und Packen einer Proviant-Box, die wir mit der Post verschicken. Um 12.30 Uhr können wir unser Zimmer beziehen. Etwas altbacken, aber okay und total zentral. Alles ist zentral in Kearny, einem Ort mit 1700 Einwohnern. Es gibt nur dieses eine Hotel, einen gut sortierten Lebensmittelladen, eine Pizzeria, 3 Bars. Die Post ist direkt gegenüber.
Kearny nennt sich "die freundlichste Stadt auf dem Trail" - das können wir bisher nur bestätigen.
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